Projekte

Das Kunigundenretabel aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren in der Zwickauer St. Katharinenkirche

Situation
Die monumentenbezogene Forschung zum genannten Altarwerk ist spärlich. Wenig Sicheres zum Auftrag, zur ursprünglichen Aufstellung, zum reformationsbedingten Abbau und zur (transkonfessionellen) Umnutzung usw. ist bisher bekannt.

Aufgabe
Die kulturelle, kunstgeschichtliche bzw. wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung des Retabels für die Stadt Zwickau und für das Werk-Corpus Lucas Cranachs des Älteren macht eine eingehende Untersuchung wünschenswert.

Ergebnis
Am 1. November 2013 lud der Projektverantwortliche Kolleginnen und Kollegen zu einem ersten Ortstermin und wissenschaftlichen Austausch in die St. Katharinenkirche und anschließend in die Hochschulaula. Die Einladung, der unter anderem Restaurierungswissenschaftler (u.a. Prof. Dr. Gunnar Heydenreich, Köln, und Prof. Dr. Ingo Sandner, Dresden), Kunsthistoriker (u.a. PD Dr. Susanne Wegmann, Halle-Wittenberg, Dr. Elke A. Werner, Berlin, und Daniel Görres, Düsseldorf), Kirchenhistoriker (u.a. Dr. Julia Kahleyß, Bremerhaven) sowie Experten des Landesamts für Denkmalpflege (Dresden) und des Regionalkirchenamts (Chemnitz) folgten, stieß auch auf ein reges Interesse in der Bürgerschaft.
Die Geschichte des Flügelaltars erwies sich als facettenreich: 1518 als Nebenaltar an eine alt-gläubige Brüderschaft nach St. Marien (dem erst seit 1935 sogenannten Dom) gestiftet, 1530 wegen Baumaßnahmen und im Zuge der Reformation abgeräumt und in die seinerzeit längst verwaiste Klosterkirche des Franziskanerkonvents verbracht (ehemals in der Nähe des heutigen Kornmarkts befindlich), wurde das Retabel 1534, als das Kloster abgerissen werden sollte, an seinem heutigen Ort errichtet – nun als Hauptaltar einer reformierten, das heißt lutherischen Pfarr- und Quasi-Schlosskirche (die Kirche war ehedem durch einen Brückengang mit dem kurfürstlichen Stadtschloss Osterstein verbunden). Hier wurde das Altarbild möglicherweise noch zu Cranachs Lebzeiten oder wenig später im Befund modifiziert, im 16. Jahrhundert wohl erstmals ‚restauriert‘, im 17. Jahrhundert (mehrfach?) barockisiert und im späten 19. Jahrhundert gotisiert sowie im 20. Jahrhundert wiederum ‚ent-restauriert‘. Der heutige Zustand, den man damals für den ursprünglichen, ‚renaissancehaften‘ hielt, wurde im Wesentlichen 1929/30 hergestellt. Schon die spezifische Art der transkonfessionellen Um- und Weiternutzung ist kirschenhistorisch und theologisch bedenkenswert. Nahezu singulär im Bereich derartiger kirchlicher Ausstattungen ist die – über alle Veränderungen hinweg unangetastet gelassene – Ikonografie des zentralen Bildfeldes, die beziehungsreiche Szene der Fußwaschung Christi; ein Thema, das offenkundig sowohl im vorreformatorischen, katholischen als auch im protestantischen Kontext Identifikationsangebote barg.
Im Verlauf des genannten Kolloquiums wurden archivalische Quellen – darunter einige in diesem Zusammenhang erstmals publizierte – analysiert, lokalhistorische Spezifika geklärt und kunsthistorische Vergleichsbeispiele zu Ikonografie und Stil geprüft. Auf Basis technologischer Untersuchungsmethoden konnten bislang unbekannte, mit Hilfe der Röntgendiagnostik, der Infrarot-Reflektografie, der chemischen und physikalischen Pigmentanalyse, aber auch mittels Interpretation historischer Restaurierungsdokumentationen gewonnene Ergebnisse präsentiert werden. Die solcherart sichtbar gemachten zahlreichen entstehungszeitlichen Unterzeichnungen und partiellen Untermalungen, die erkennbare stilistische und teilweise technische Heterogenität sowie die durch spätere Restaurierungskampagnen bedingten Zustände ergeben eine – vorerst – schwer entwirrbare Faktenlage, die sich gängigen Erklärungsmustern entzieht, weil sie beispiellos zu sein scheint.
Das Landesamt für Denkmalpflege (zusammen mit den Kölner und Dresdener Restaurierungswissenschaftlern) plant unter Einbeziehung der WHZ-Fakultät zeitnah erneute naturwissenschaftlich-technologische Untersuchungen am und zum Material des Retabels. Der erste wichtige Schritt in Richtung eines vertieften Verständnisses und einer entsprechend sensibilisierten Restaurierung des Retabels (die den Fachleuten mehr denn je angezeigt scheint) ist erfolgreich getan.

Abb. 1: Das Kunigundenretabel im geöffneten und geschlossenen Zustand (Foto: J.M. Pietsch, Spröda)
Abb. 2: Fußwaschung Christi (Foto: J.M. Pietsch, Spröda)


Der Bildhauer Diedrich Samuel Kropp – eine Recherche

Situation
Leben und Werk des Bildhauers Dietdrich Samuel Kropp (geb. 15.12.1824 in Bremen, gest. 15.5.1913 ebd.) gehören zu den ‚unbekannten Größen‘ des deutschen Skulpturenschaffens im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Aufgabe
Der Umfang und die Prominenz des Kropp’schen Werks nicht nur, aber vor allem im öffentlichen Raum der Hansestadt Bremen lassen eine umfangreiche Studie wünschenswert erscheinen. Hierzu sollte ein Rechercheprojekt (angeregt vom Verlag Walter de Gruyter GmbH, Berlin) die Fundamente legen.

Ergebnis
Die gesammelten Rechercheergebnisse (v.a. Literaturauswertung und Monumentensichtung) wurden bewertet und zu einem Überblickstext verdichtet (Publikation zeitnah geplant), der weiteren Forschungen den Weg ebnen helfen soll. U.a. konnte vorerst folgendes festgestellt werden: Über Kropps Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. 1858 reiste Kropp mit einem Stipendium des Bremer Senats nach Rom. 1859 entstand eine später viel gelobte Marmorbüste des jungen Raffael (Bremen, Privatbesitz). 1861, 36-jährig, kehrte er in seine Vaterstadt zurück, wo er bis zu seinem Lebensende eine sehr rege bildhauerische Tätigkeit entfaltete; er schuf zahlreiche Marmorskulpturen und Bronzeplastiken, v.a. vollplastische Porträtbüsten, Reliefs, Medaillons und Standbilder historischer Persönlichkeiten für öffentliche Gebäude, Privathäuser und Parks. Besonders fruchtbar war die Zusammenarbeit mit dem Architekten und zeitweiligen Präsidenten des Bremer Künstlervereins Heinrich Müller (gest. 1890), für dessen Bauten Kropp den dekorativen und figürlichen Bauschmuck fertigte, vor allem allegorische und symbolische Themen (z.B. am Künstlervereinshaus und der Handelskammer/Neuen Börse). Aber auch mit anderen Baumeistern arbeitete Kropp erfolgreich zusammen (z.B. mit Ernst Klingenberg, gest. 1918, am Oldenburger Augusteum). Lukrative Gelegenheitsarbeiten wie Grabmäler, Porträts und Brunnen schuf Kropp in bemerkenswertem Umfang. An größeren Wettbewerben (z.B. um ein Kriegerdenkmal am Ansgaritor oder ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal, 1871/73 bzw. 1889) beteiligte er sich jedoch meist erfolglos. Seine Mitgliedschaften in zahlreichen Kommissionen und Gremien sicherten ihm nichtsdestotrotz ein hohes Ansehen. Kropp starb 89-jährig und wurde auf dem Riensberger Friedhof in Bremen beigesetzt. Sein Nachruhm währte nicht lange. Kriegsverluste und Ignoranz haben das Werk zusätzlich stark dezimiert. Von dem sicher mehr als 260 Auftragskomplexe umfassenden Oeuvre ist vielleicht ein Drittel – zumeist stark fragmentiert – erhalten. Schon die „Bremische Biographie 1912–1962“ (erschienen Bremen 1969) verzeichnete Kropp nicht mehr. Seine in Besitz der Bremer Kunsthalle befindlichen Arbeiten wurden ausgesondert und sein künstlerischer Nachlass (erst in der Stadt Vegesack, dann im Bremer Focke-Museum verwahrt) zum größten Teil zerstört.
Weitere Recherchen zu Leben und Werk sind geplant.

Abb. 1: Porträtfotografie D.S. Kropps (Fotograf und Datum unbekannt)
Abb. 2: Medaillon mit der Allegorie der Caritas, 1858
Abb. 3: Bremen, Hauptbahnhof. Teile des Fassadenschmucks schuf D.S. Kropp, späte 1880er Jahre


Design-Erkundungen

Was haben die Büroklammer, der "Consumsessel Nr. 14" von Michael Thonet und Adolf von Menzels Gemälde "Im Biergarten" gemeinsam – außer, dass alle drei Geschöpfe des 19. Jahrhunderts sind? Viel, wie das wissenschaftliche Forschungs- und Buchprojekt Design-Erkundungen. Dinge im Kontext, das von Professor Dr. Thomas Pöpper verantwortet und koordiniert wird, aufzeigen kann. Zum Beispiel das Folgende: der Thonet-Stuhl und die Büroklammer scheinen schon äußerlich viel gemeinsam zu haben, u.a. die doppelte Kurvatur der Klammerbögen beziehungsweise der Rückenlehne. Aber auch das skelettartig Minimalistische und kapriziös Sehnige des Materials (also des Drahtes beziehungsweise des Bugholzes) sind vergleichbare, wesentliche Konstruktions- und Gestaltprinzipien beider Produkte. Man könnte sagen: Diese verbindet solcherart ein ähnlicher Design-Impetus, oder: sie weisen ähnliche "Einschreibungen" auf. Wie die Büroklammer, so ermöglicht auch der besagte Stuhl jeweils eine variable, lockere und reversible Bindung – von Papieren beziehungsweise von Menschen/Gruppen. In Menzels Gemälde, in dem die Gäste des Biergartens übrigens auf Thonet-Stühlen Platz genommen haben, wird das Prinzip des leichten, transportablen Sitzmöbels anschaulich: die Gäste finden sich zu temporären "Wahlverwandtschaften" zusammen; eine feste Tisch- bzw. Sitzordnung gibt es nicht. Büroklammer, Thonet-Stuhl und Biergarten- bzw. Caféhaus-Habitus – sie alle stehen für die Chiffre der Moderne: Mobilität.

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Pöpper
thomas.poepper[at]fh-zwickau.de

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Neue Erkenntnisse zur Person Lucas Cranach des Älteren

Im Rahmen des Publikationsprojektes Der bildgewordene Kirchentraum. Das Reformationsretabel in St. Wolfgang, Schneeberg/Erzgeb. von Lucas Cranach dem Älteren (erscheint demnächst in der Edition Akanthus, Spröda) sind von Professor Dr. Thomas Pöpper erneute Quellenstudien zum genannten Altarwerk angestellt worden (zum bisherigen Forschungsstand siehe Das Bild des neuen Glaubens. Das Cranach-Retabel in der Schneeberger St. Wolfgangskirche, hg. von Thomas Pöpper und Susanne Wegmann, Regensburg 2011). Dabei offenbarte sich eine bislang unbekannte Facette der Künstler-/Unternehmerpersönlichkeit Lucas Cranach des Älteren: einen Teil des stattlichen Lohnes für die Schneeberger Gemälde ließ sich der Maler in Form von Gewehrkugeln bezahlen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat Cranach diese in der Residenzstadt Wittenberg an den sächsischen Kurfürsten oder auf dem freien Markt weiterveräußert. Lucas Cranach der Ältere war also nicht nur u.a. als Hofkünstler, Maler, Apotheker, Weinhändler, Geldverleiher und Immobilienbesitzer tätig, sondern auch als Waffen- bzw. Munitionshändler. Der Historiker Dietrich Lücke – Koautor des geplanten Buches – bietet eine vollständige Transkription und Interpretation der aus dem Jahr 1538/1539 datierenden Quelle, die nicht nur die Cranach-Forschung um ein weiteres Belegstück zur frühneuzeitlichen Künstlersoziologie bereichern wird.

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Prof. Dr. Thomas Pöpper
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Fritz Behn,

(1878-1970) ist als Tierbildhauer, weniger als Schöpfer von zahlreichen Denkmalen, Brunnen, Grabmälern und Bildnisbüsten bekannt. Vor allem exotische Tiere bildeten seine künstlerischen Motive, aber auch seine persönliche Motivation: Auf zahlreichen Expeditionen u.a. nach Afrika und Südamerika porträtierte der Künstler und Großwildjäger selbsterlegte Antilopen, Nashörner, Löwen und Affen. In Museen werden die Werke Behns heute selten ausgestellt. Die Gründe hierfür liegen wohl nur zum Teil in ihrer heute zumeist kritisch bewerteten ästhetischen Qualität. Vor allem sieht sich die Behnsche Kunst einer gewissen Reserve gegenüber der Künstlerpersönlichkeit selbst ausgesetzt: Der Bildhauer, der schon zu Lebzeiten wegen seiner politischen Äußerungen umstritten war, muss klar als Monarchist, Antirepublikaner und auch sonst als Konservativer charakterisiert werden.
Bremen beherbergt Behns monumentalen Elefanten, errichtet 1931 als "Reichskolonialehrendenkmal" und 1989 umgewidmet zum "Antikolonialdenkmal". In Zusammenarbeit mit dem dortigen, sehr renommierten Bildhauereimuseum, dem Gerhard-Marcks-Haus, und seinem Direktor, Dr. Arie Hartog, einer Gruppe von Fachwissenschaftlern (der u.a. der Historiker Dr. Joachim Zeller, Berlin, und Prof. Dr. Thomas Pöpper, Schneeberg, angehören) sowie den Nachfahren des Künstlers (in den USA und in Großbritannien) wird ein Publikations- und Ausstellungsprojekt angestrebt. In einem ersten Schritt (Sommer 2012) wird es um die Sichtung des bislang unbekannten, in den USA liegenden Nachlasses des Künstlers gehen.

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Prof. Dr. Thomas Pöpper
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