Geschichte

1. Sonntagsschule - Gewerbeschule (1828-1916)

  • 1828
  • Durch den polytechnischen Leseverein wurde im Jahre 1828 die Sonntagsschule in Zwickau gegründet. Die Schule verfügte über keine eigenen Gebäude, Unterrichtsräume wurden in der lateinischen Stadtschule, späteres Lyzeum und 1835 zum Gymnasium ernannt, genutzt. Erst im Jahre 1919 erwirbt der Gewerbeschulverein ein eigenes Gebäude in der Robert-Blum-Straße 15.
  • 1829
  • Die Sonntagsschule in Zwickau erhält von Herrn Kreishauptmann von Wietersheim seine Sammlungen von Lithographien und Kupfertafeln.
  • 1833
  • Aus der Übersicht der Sonntagsschule geht hervor, dass seit der Gründung für Unterrichtszwecke 90 Schiefertafeln und über 1000 Stück "freie Handzeichnungen und ins technische Fach einschlagende Vorlagenblätter" usw. vorhanden sind.
  • 1836
  • Das Ministerium des Innern bewilligt der Sonntagsschule als laufende Unterstützung 50 Taler und als außerordentlichen Zuschuss zur Vermehrung der Lehrmittel 30 Taler. Mit der Beschaffung der Lehrmittel solle gewartet werden, "bis das beim Ministerium des Innern geführte Verzeichnis über Musterblätter, Modelle und Bücher, auf deren Anschaffung zur Benutzung bei dem Unterricht vorzügliche Rücksicht zu nehmen sei", eingegangen wäre.
  • 1847
  • Rentamtmann Karl Preusker schenkte unter dem 20. März 1847 dem Stadtrat ein Exemplar der vierten Auflage seiner Beschreibung der Großenhainer Stadtbibliothek. Jetzt hören wir aus den Akten des Zwickauer Stadtrates das erste Wort über die Sonntagsschulbücherei. Dem Dankbriefe des Rates vom 31. März 1847 an Preusker entnehmen wir: "...eine Bibliothek, wie Sie sie in Ihrem Werke nach Inhalt und Zweck beschreiben, ist in unserer Stadt mit der Sonntagsschule verbunden und daher jedem zugänglich, der entweder diese besucht oder gegen einen sehr geringen Beitrag Mitglied des Vereins für Unterhaltung und Beförderung der Sonntagsschule ist. Wir glauben daher in Ihrem Sinne gehandelt zu haben, indem wir Ihr Werk zur Bibliothek der Sonntagsschule gegeben haben."
  • 1872
  • Die Bücherei bestand in diesem Jahr aus 208 Bänden (153 Werke). Ausgabe der Bücher erfolgte jeden Sonntag von 1-2 Uhr nachmittags mit einer Lesefrist von acht Tagen. 5 bis 10 Taler wurden jährlich zur Vermehrung der Bücherei verwendet. Dem Jahresbericht entnehmen wir weiterhin, dass die Bücherei nur unwesentlich erweitert wurde, weil im vergangenen Jahre eine Volksbibliothek in Zwickau errichtet wurde.
  • 1884
  • In dem Bericht über die Bücherei vom 27. März 1884 hebt der Bibliothekar Berge die "opferbereite Fürsorge" des Ausschusses zum Ausbau der Bibliothek hervor und betont, dass die Zahl der Bände auf 728, also um mehr als das Doppelte des vorigen Jahres, gestiegen sei. An 31 Tagen wurden Bücher ausgegeben.
  • 1895
  • Besonderer Erwähnung aus dem Jahresbericht für 1895 bedarf die neugeschaffene Sammlung "Physikalischer Lehrmittel". Alle übrigen Sammlungen wurden neugeordnet und katalogisiert. Für die Bauschlosser waren vorhanden 567, für die Tischler 220, für die Maschinenschlosser 228, für die Schmiede 93, für die Klempner 45, für die Sattler und Wagenbauer 32, für die Zimmerer 40, für die Glaser 22, für die Maurer 10 und für Projektion 50 Modelle. Zahlreiche Geschenke finden Erwähnung. Die Bücherei steigt auf 800 Bände. Ihre Benutzung ist sehr ausgiebig.
  • 1913
  • Um die Bestrebungen, die eine wirksame Bekämpfung der Schundliteratur bezwecken, nach Möglichkeit zu unterstützen, sind neben der weiteren Ausgestaltung der Schulbücherei in einigen Klassen Büchereien billiger Volksschriften ins Leben gerufen worden. Nach einer vom Lehrer getroffenen Auswahl erwirbt jeder Schüler wenigstens ein Bändchen aus den billigen Volksbüchereien. (Deutsche Jugendbücherei, Bunte Bücher, Schatzgräber, Schaffsteins blaue und grüne Bändchen, Wiesbadener Volksbücher). Die Bücher werden von den Schülern gegenseitig ausgetauscht. Je nach Bedürfnis wird die Bücherei erweitert. Die Einrichtung von Klassenbüchereien ist ein Versuch. Über ihren Wert kann ein endgültiges Urteil erst nach längerer Erprobung gefällt werden.
  • 1915
  • Für die Bibliothek und die Modellsammlung wurden aus gestifteten Mitteln wertvolle neue Anschaffungen vorgenommen.
  • 1916
  • Bibliothek und Modellsammlungen erfuhren wertvolle Ergänzungen. Für arme Schüler wurde im Jahre 1915 eine Reißzeugsammlung (zur Zeit 24 Stück) angelegt.

2. Standort Lessingstraße - Wiege der Ingenieurausbildung (1897-1961)

  • 1897
  • Die Ingenieurschule Zwickau wird am 26. und 27. April 1897 von den Ingenieuren Paul Kirchhoff und Leander Hummel unter Mitwirkung der Stadtgemeinde Zwickau gegründet. Die Stadt stellt das erste Gebäude, das 2-stöckige Beucheltsche Haus in der Äußeren Leipziger Straße, heute Max-Pechstein-Straße 11, zur Verfügung.
  • 1900
  • Im Sommer-Semester 1900 wurde durch Ankauf der neuesten Erscheinungen auf dem Gebiet der technischen Literatur sowie durch den Dauerbezug technischer Zeitschriften eine Bücherei begründet. 1899 bis 1903 Schulneubau in der heutigen Lessingstraße, Zwickau.
  • 1919
  • Nachdem der Zusammenschluss von Ingenieurschule und der Gewerbeschule zu den Vereinigten Technischen Schulen erfolgte, werden beide Bibliotheken verschmolzen. Dadurch vermehrte sich nicht nur ihr Bücherbestand, sondern die Bibliothek kam in ausreichende, neuzeitlichen Anforderungen entsprechende Räume, die durch ihre Lage im Erdgeschoss der Benützung der Bücherei günstig sind. Infolge des Ostflügelneubaues 1927 ist der außergewöhnliche Ausbau der Bücherei besonders erwähnenswert.
  • 1937
  • Die Bücherei enthält 8 950 Werke mit etwa 15 365 Bänden vorwiegend technischen Inhalts, zum Beispiel für Mathematik 353 Werke mit 602 Bänden, für Elektrotechnik 640 Werke mit 852 Bänden. Die Flugtechnik ist mit 118 Werken, das sind 157 Bände, vertreten.
  • 1947
  • Wiedereröffnung der Ingenieurschule mit den Abteilungen: Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemotechnik.1949 erfolgt die Ausgliederung der Gewerbeschule.Die Ingenieurschule wird verselbständigt.
  • 1951
  • In diesem Jahr beginnt die Profilierung der Ingenieurschule mit dem Schwerpunkt Kraftfahrzeugbau.
  • 1957
  • Die Berufsschule (vormals Gewerbeschule) wird aus dem Gebäude Lessingstraße herausgelöst und in diesem Zusammenhang aus der Bibliothek 3 422 Bände umgesetzt.
  • 1961
  • In einem Bericht der Bibliothek vom 05.12.1961 steht die Aussage, dass die Bibliothek zeitweise einen Bestand von rund 16 000 Bänden hatte. Aussonderungen und durch Abgabe an andere Institutionen reduzierten den Bestand auf ca. 12 000 Bände.

3. Standort Dr.-Friedrichs-Ring - Bergingenieurschule (1862-1964)

  • 1862
  • Gründung der Bergschule als private, d. h. von den Steinkohlenwerken finanzierte und von ihnen über ein "Bergschulkomitee" geleitete Einrichtung. Am 13. Oktober 1862 begann die Bergschule Zwickau mit der Ausbildung junger Bergleute als Hilfspersonal für Steiger und andere Tätigkeiten.
  • 1924
  • Die räumliche Unterbringung der Schule unterlag öfterem Wechsel. Im Juli 1924 erfolgte wiederum ein Wechsel in das ehemalige Schedewitzer Rathaus, Schedewitzer Straße 22.
  • 1938/1939
  • Im Bericht dieser Jahre über die Bergschule (Sachsen) wird u. a. erstmals berichtet, dass die Bücherei ihren Bestand um 68 Bücher vermehrte.
  • 1951
  • Im Januar 1951 begann der Umzug von Schedewitz nach Zwickau in das neu aufgebaute Bergschulgebäude am Dr.-Friedrichs-Ring 2A. Aus Unterlagen des Archivs der WHZ ist zu entnehmen, dass im Rahmen dieses Aufbaues die Bibliothek mit daran anschließendem Leseraum vorgesehen ist.
  • 1964
  • Es existiert die Bibliothek der Bergingenieurschule "Georgius Agricola" in Zwickau, Dr.-Friedrichs-Ring 2A.

4. Hochschulbibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau (1965-2003)

  • 1965
  • Die Bergingenieurschule und die Ingenieurschule für Kraftfahrzeugtechnik vereinigten sich zur Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Zwickau. Zu diesem Zeitpunkt existieren zwei Bibliotheken, die Zusammenführung beider erfolgt mit den bisherigen Standorten: Lessingstraße und Dr.-Friedrichs-Ring.
  • 1966
  • Für die Zusammenführung der Bibliotheken steht der erarbeitete Koordinierungsplan vom 16.09.1966 zur Verfügung.
  • 1967
  • Aus dem Bericht der Bibliothek, Zwickau, Dr.-Friedrichs-Ring 2A, ist zu entnehmen, dass der Archivbestand der Bergingenieurschule Zwickau von der Bibliothek der Bergakademie Freiberg übernommen wurde. Im gleichen Berichtsjahr stellt die Bibliothek, Zwickau Lessingstraße 15, fest, dass die hauptsächlichsten Punkte des Koordinierungsplanes vom 16.09.1966 verwirklicht wurden. Die gemeinsame monatliche Neuerwerbungsliste und die Fernleihe wird nur noch durch die Bibliothek Lessingstraße erledigt.
  • 1968
  • Seit dem 14.02.1968 liegt eine zusammengefasste Bibliotheksstatistik beider Standorte vor.
  • 1969
  • Mit der Gründung der Ingenieurhochschule wird die Umgestaltung der vorhandenen dezentralen Büchereien in den Gebäudekomplexen Dr.-Friedrichs-Ring und Lessingstraße zur Hochschulbibliothek beschlossen. In den ersten Jahren ging es um eine Analyse und teilweise Neugestaltung der vorhandenen Literaturbestände im Hinblick auf die an der Hochschule vertretenen Fachrichtungen und Forschungsprofile. Dazu ist es notwendig eine Erweiterung der Bestände vorzunehmen.
  • 1969
  • Auf Weisung des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen wird innerhalb der Hochschulbibliothek ein Bereich eingerichtet, der sich mit den Belangen der wissenschaftlichen Informationstätigkeit beschäftigt und die Informationsstelle für Standards wurde zugeordnet.
  • 1973
  • Es erfolgt die Angliederung einer Mikrofilmstelle.
  • 1983
  • In den Jahren 1983 und 1984 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion der Hochschulbibliothek mit dem Ergebnis einer spürbaren Verbesserung der Arbeits-, Studien- und Lebensbedingungen für die Mitarbeiter und die Bibliotheksnutzer an beiden Standorten.
  • 1986
  • Die Hochschulbibliothek verfügt insgesamt über einen Buchbestand von ca. 110 000 Bänden.
  • 1989
  • In diesem Jahr wurde aus der Ingenieurhochschule Zwickau die Technische Hochschule Zwickau. Sie erhielt damit das Promotionsrecht. Die Fachschule für Ökonomie Plauen und die Ingenieurschule für Anlagenbau Glauchau werden integriert. Dies führte zu keinen großen Veränderungen im Bereich der Bibliothek, da die angegliederten Bibliotheken von Plauen und Glauchau wirtschaftlich selbständig blieben.
  • 1992
  • Die Gründung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (FH) wurde am 13.06.1992 während eines Festaktes vollzogen. Die Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg wird als eigenständiger Fachbereich Angewandte Kunst mit dem Musikinstrumentenbau Markneukirchen eingegliedert. Die Hochschulbibliothek besteht jetzt aus der Hauptbibliothek Dr.-Friedrichs-Ring 2A und den Zweigbibliotheken Lessingstraße, Schneeberg und Markneukirchen. Die Bibliotheken werden unter einheitlicher Leitung als integriertes Bibliothekssystem geführt.
  • 1994
  • Die Ingenieurschule für Textiltechnik Reichenbach wird der Fachhochschule in Zwickau angegliedert. Die dortige Bibliothek wird zur Zweigbibliothek Textil- und Ledertechnik sowie Architektur ausgebaut und unter einheitliche Leitung gestellt. Die Fachhochschule übernimmt den Campus Scheffelstraße (Gebäude der ehemaligen Pädagogischen Hochschule Zwickau) und etabliert dort die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und mit ihrer Gründung Sprachen und Pflegewissenschaft.
  • 1994
  • Die Bibliothek richtet kurzfristig im Haus 3 (Scheffelstraße) auf 320 Quadratmeter eine Zweigbibliothek ein.
  • 1996
  • Richtfest des Bibliotheksneubaus (Hauptbibliothek und Fachbibliothek für Naturwissenschaft, Umwelt und Technik) am 27.11.1996.
  • 1998
  • Feierliche Eröffnung des Neubaus der Hauptbibliothek am Kornmarkt am 30.06.1998. Die Bestände der Zweigbibliothek Lessingstraßee werden in den Neubau integriert. Die Normenauslegestelle erhält neue Räume im Neubau.
  • 1999
  • Die Lern - und Informationsbibliothek (LIB) nimmt als "virtuelle Zweigstelle" ihren Betrieb auf. Es handelt sich hierbei um einen Volltextserver mit eigenen Volltextangeboten und übergreifenden Recherchemöglichkeiten.
  • 2002
  • Die Bibliothek verfügt über die Standorte: Hauptbibliothek Klosterstraße und die Zweigbibliotheken Scheffelstraße, Schneeberg, Reichenbach und Markneukirchen mit einem Gesamtbestand von 193 000 Bestandseinheiten und 550 Zeitschriftenabonnements. Die Bibliothek wird als einheitliches integriertes System geführt. Alle Zweigbibliotheken arbeiten in einer Datenbank mit dem Bibliothekssystem LIBERO.
  • 2003
  • Am Standort Scheffelstraße übernimmt die Zweigbibliothek neu ausgebaute Räume in der Mensa am Campus im 1. Obergeschoss. Damit verbessert sich die Bibliothekssituation gravierend. Die Bestände werden durch Grundlagenliteratur zur Kfz -Technik ergänzt.

Quellen:

  • Hundert Jahre Gewerbeschule Zwickau Sa., 1828-1928
  • Jahresberichte der Gewerbeschule Zwickau (1913, 1915, 1916)
  • Jahresberichte der VTS Zwickau (Jahre 1919/20, 1920/21, 1921/25, 1925/27, 1927/29, 1929-1931)
  • aus dem Archiv der WHZ: Taschenbuch für die Studierenden der Ingenieurschule Zwickau (4. Ausgabe, 1933)

 August 2003