Bibliotheksneubau

Daten und Fakten zum Neubau

Konzeption

Mitten im Stadtzentrum, dem Kornmarkt vis-à-vis, errichtet, markiert die neue Bibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau den Zugang zum innerstädtischen Teil der Hochschule und öffnet sich vollständig verglast dem interessierten Publikum. Insbesondere durch das weitauskragende, schwebende Dach wird der Eingangsbereich der Bibliothek als öffentlicher Stadtraum markiert.

Die Funktionsflächen der Bibliothek gruppieren sich rund um den bis ins Untergeschoss reichenden, mit einer Robinie bepflanzten Atriumhof. Der zweigeschossige Lesesaal, die Carrels und der Gruppenraum im zweiten Obergeschoss sowie die Mediothek bieten optimale Studienbedingungen.

Bauablauf

DatumAbschnitt
1993Bauantrag
1994Architektenwettbewerb
Juli 94Abbruch der alten Bausubstanz
Juni 95Archäologische Ausgrabungen
9.10.1995Baubeginn
27.11.1996Richtfest
30.6.1998Feierliche Eröffnung

Eckdaten

BezeichnungDaten
Hauptnutzfläche     2000 m²
Bestand120.000 Bücher, Zeitschriften und andere Medien
Leseplätze126
PC-Nutzerplätze44
Carrels5


Zum dritten Mal hat das Architektur-Forum Zwickau in diesem Jahr besonders gelungene Gebäude in der Muldestadt gewürdigt. Unter den fünf am 10.07.1999 prämierten Bauwerken ist auch unsere neue Hochschulbibliothek. Die Laudatio wurde von Prof. C. Knoche, Fachbereich Architektur gehalten:

Zunächst stellt sich bei der Bebauung innerstädtischer Baulückengrundstücke stets die Frage nach dem Umgang mit der Nachbarschaft, dabei werden Möglichkeiten zur Verdichtung und Weiterentwicklung innerstädtischer Potentiale leider nur zu oft fehlinterpretiert: entweder als anpäßlerische Maßnahme im Sinne eines falsch verstandenen Denkmalschutzes, der versucht, mit historischen Stileelementen eine vergangene, vielleicht aber auch nie dagewesene Altstadt zu errichten, oder aber in völliger Negation des Miteinanders, nach dem Motto 'hoppla - jetzt komm ich', mit ignorantem Selbstbewußtsein.

Die heute ausgezeichnete neue Hochschulbibliothek am Kornmarkt in Zwickau ist anders - weil sie von beidem was hat. Natürlich schaut sie nach rechts und links, schaut, wie sie sich einpassen soll, schaut nach Maßstab und Kleinteiligkeit, nach Traufhöhen und Gebäudefluchten - und weiß doch, daß sie sich eigentlich nicht anpassen kann, denn Sie ist etwas anderes: Sie ist eine Bibliothek, sie ist neu, sie ist groß. Dazu ist sie ein öffentliches Gebäude an einem wichtigen innerstädtischen Platz. Sie muß anders sein als die bestehende Nachbarbebauung, anders als der Hauptbau der Hochschule und anders als die Bebauung am Kornmarkt.

Sie öffnet sich freundlich dem Publikum, sie lädt ein, hereinzukommen, und das nicht nur in das Erdgeschoß. Sie ist funktionales Ganzes mit mehreren Ebenen und bis unters Dach öffentlich. Dem wird die Erschließung gerecht, die Transparenz der Fassaden und der durchgehende innere Lichthof. Die eingesetzten Stilmittel zeugen dabei von einem unverkrampften spielerischen Umgang mit den Möglichkeiten der Konstruktion und deren formaler Ableitung. Es entsteht der Eindruck einer leichten, mühelosen Konstruktion, innerhalb derer die einzelnen Elemente wie Wandscheiben, Stützen und auskragende Dächer mit Eleganz und Selbstverständlichkeit ihre Aufgaben zu erledigen. Sie tun dies nicht bierernst, aber verantwortungsvoll, vielleicht ein bißchen verschmitzt, lassen Brüche erkennen, die auch die formale Haltung widerspiegeln. Einerseits der Moderne verhaftet, folgt das Spiel der Flächen und Öffnungen mit dem Diktat monotoner Gleichmäßigkeit, sondern weiß zu variieren, ohne ins willkürliche oder unsachliche abzugleiten.

Auch der Einsatz der Materialien ist nicht irgendwelchen Dogmen verhaftet, sondern entfaltet sich aus der Situation heraus, er verliert aber nie das Ganze aus den Augen. So ist ein schönes Haus entstanden, ein lichtes offenes Haus mit angenehmen Materialien. Ein Haus, das nicht jedem auf Anhieb gefällt, das aber durch seine Qualitäten bislang noch immer überzeugen konnte, nicht zuletzt auch durch seine stimmige Funktionalität.

Vielleicht kann man sagen, daß diese Bibliothek ein ehrliches Gebäude ist und daß in diesem Sinne ehrliche Gebäude, wenn sie mit entsprechender Sensibilität geplant werden, auch gute Gebäude sind. Ich finde, die Hochschulbibliothek ist nicht nur ein gutes Gebäude - es ist eines der besten, das in den letzten 10 Jahren in Zwickau entstanden ist.

Prof. C. Knoche

  • Bauer, Matthias (1999): Hochschulbibliothek Zwickau
    In: Baumeister - Zeitschrift für Architektur, S. 30-35
  • Leistner, Steffi (1999): Neubau der Hochschulbibliothek in Zwickau
    In: B.I.T.online, Jg.2, Heft 1, S.67-72
  • Leistner, Steffi (1999): Kultur im Glashaus. Bibliotheksneubau der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH)
    In: BuB - Buch und Bibliothek, Jg.51, Heft 1, S.28-30
  • Leistner, Steffi (1999): Bibliotheksneubau der Westsächsischen Hochschule Zwickau
    In: ABI-Technik, Jg.3, Heft 3, S.256-261
  • Weiß, Klaus-Dieter (1998): Bibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau
    In: Centrum - Jahrbuch Architektur und Stadt (1998-1999), Wiesbaden, S.36-37
  • Scheuring, Andreas (1998): Hochschulbibliothek Zwickau 1994-1998
    In: Junge Deutsche Architekten und Architektinnen, 1, S.106-107
  • Scheuring und Partner (1998): Hochschulbibliothek HTW Zwickau
    In: Bauten, Projekte, 2, S.20-23
  • Weiß, Klaus-Dieter (1998): Aufbruch in der Altstadt
    In: Berliner Zeitung, 244