Die Region Zwickau und Westsachsen gehört zu denjenigen mit den meisten älteren Menschen in Deutschland. Für die lokale Wirtschaft eine große Herausforderung. Die Ergebnisse aus den beiden vorherigen Nachwuchsforschergruppen A²LICE Ambient Assisted Living in Controlled Environments und Low Energy Living fließen in das Projekt mit ein.

Wohnen ist nicht nur ein Grundbedürfnis des Menschen. Die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum stellt gleichzeitig auch ein Grundrecht dar. Eine zentrale Frage dabei lautet: Wie kann ein würdevolles Wohnen in angemessener Qualität unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit auch in Zukunft bezahlbar bleiben? Eine detaillierte Antwort auf diese Frage will eine interdisziplinär agierende Nachwuchsforschergruppe der Westsächsischen Hochschule Zwickau geben. Mit der „demografischen Klammer“ verbindet sie die drei bisher getrennt betrachteten Domänen Mensch, Gesundheit und Energie.

Innerhalb des Projektes „Low Energy Living“ (mit 1,7 Miollionen Euro durch den Europäischen    Sozialfonds (ESF) gefördert) wurden die Möglichkeiten zur nachhaltigen Energieeinsparung mit Hilfe intelligenter Gebäudesystemtechnik bereits im praktischen Umfeld des kommunalen Wohnungsbaus untersucht. Das Projekt wurde im Oktober 2012 erfolgreich beendet. In Zwickau sowie zahlreichen weiteren Städten in Sachsen wurde das Konzept serienreif umgesetzt und führte zu mehr als 20 Prozent Primärenergiereduktion. Daraus resultierte die Definition weiterer zukunftsrelevanter Forschungsthemen. Dazu gehört zum einen die Entwicklung und Implementierung von Mehrwertdiensten auf Basis immer verfügbarer und intelligent vernetzter Informationen. Zum anderen wurden (energetische) Potentiale beim Einsatz intelligenter Gebäudeausstattung in Verbindung mit einer ganzheitlichen, branchenübergreifenden Informationsinfrastruktur    herausgearbeitet. Insbesondere die Analyse der Energieversorgung eines Quartiers zeigte dabei enorme Optimierungspotentiale auf.

Für die zweite große inhaltliche Linie steht stellvertretend das ebenfalls durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) mit 1,1 Millionen Euro geförderte Projekt „Ambient Assisted Living in Intelligent Controlled Environments“ (A²LICE), als Anknüpfung an die Ergebnisse des „Low-Energy-Living"-Projektes. Der Schwerpunkt dieses Projektes lag in der Entwicklung eines Konzeptes zur Schließung der Lücke in der medizinischen Versorgungskette zwischen stationärer Pflege und   selbstbestimmtem Leben im gewohnten Umfeld. Es führte zu einer erheblichen Verbesserung des Gesundheits- und Pflegemanagements, der Selbstbestimmung älterer und/oder behinderter Menschen sowie zur Erhöhung des Komforts sowohl im Bereich des Wohnungsbaus als auch bei gewerblichen und öffentlichen Gebäuden.

Die demografische Entwicklung und deren gravierende Auswirkungen sind insbesondere in Schwerpunktregionen wie Zwickau von zentraler Bedeutung für zukunftsfähige, generationenübergreifende Konzepte des selbstbestimmten Lebens. Durch die negative Entwicklung des Verhältnisses von Leistungserbringern zu Leistungsempfängern sinkt das Rentenniveau, was im Zusammenhang mit steigenden Gesundheits- und Energiekosten Einfluss auf die Lebensqualität jedes Einzelnen haben wird. Somit ist die Altersarmut eine der größten Risiken der Zukunft für die Region. Dies veranschaulicht die enorme gesellschaftliche Bedeutung des Forschungsvorhabens. Aus dieser Domäne heraus entwickelte sich auch über das Projekt hinaus eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.