Ableitungen aus den Evaluationsergebnissen

3. Wird das Verstehen der Lehrinhalte durch stoffbezogene Anwendungen unterstützt?

Natürlich ist an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften der Praxisbezug von großer Relevanz. Aber auch im Sinne des Lernens der Studierenden sollte eine stoffbezogene Anwendung nicht unterschätzt werden. Für (beruflich-qualifizierte) Studierende können Praxisbeispiele einen Zugang zur Theorie darstellen. Als Dozent und Dozentin ermöglichen Sie somit eine weitere Verknüpfung zu Ihrem Stoff. Darüber hinaus betont ein Anwendungsbeispiel die Relevanz der Lehrinhalte und fördert das Erkennen von Sinnhaftigkeit bei den Studierenden.

mögliche Ansätze zur Verbesserung des Verstehens

Benutzen Sie konkrete, anschauliche, passende und damit gut erinnerbare Beispiele zur Konkretisierung der behandelten Theorien:

  1. Verwenden Sie reale und fiktive Beispiele.
  2. Verdeutlichen Sie Theorien durch Beispiel und Gegenbeispiel.
  3. Greifen Sie Erfahrungen der Studierenden auf.
  4. Verwenden Sie Beispiele aus dem späteren Berufsleben.
  5. Verwenden Sie Beispiele aus der Forschung.
  6. Verwenden Sie Beispiele aus der Lebenswelt.
  7. Laden Sie Praktiker in Ihre Lehrveranstaltung ein.

Die Anwendung von Wissen ist die Kernkompetenz der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Suchen die daher nach Anwendungsfeldern für das vermittelte Wissen. Bei der Gelegenheit können Sie die Deduktion als eine Möglichkeit wissenschaftlichen Arbeitens den Studierenden vergegenwärtigen (Ableitung spezieller Fälle aus einer allgemeinen Theorie).

So könnten Sie mit der Vorstellung eines Problems aus der Praxis beginnen und einen studentischen Vortrag zur Systematisierung des Wissens erarbeiten lassen. Danach sollen die Studierenden das Praxisproblem bearbeiten (in der Veranstaltung oder zu Hause, in Einzelarbeit oder Gruppenarbeit), die Lösungen anschließend in der Veranstaltung zusammentragen, diskutieren und schließlich eine oder mehrere Lösungen vorstellen.

Hochschullehrer sind in erster Linie Spezialisten in einem Fachgebiet und besitzen damit die Grundlagen zur Förderung fachlicher Kompetenzen bei den Studierenden. Diese benötigen in der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeitswelt einer wissensbasierten Wirtschaft jedoch auch Kompetenzen, die über Fachlichkeit hinausgehen. Nicht erst seit der Bologna-Reform stehen Hochschullehrer vor der Herausforderung, diese Schlüsselqualifikationen in ihre Lehre zu integrieren. Dabei müssen Sie kein Sozialpädagoge sein, um Sozial- und Selbstkompetenz fördern zu können. Sie müssen auch keine historische oder disziplinspezifische Diskussion zum Kompetenzbegriff führen können. Einen guten Einstieg und Überblick bietet Ihnen bereits der KOMPETENZKATALOG.

Der folgende Fragebogen bildet einen von sieben Grundsätzen „guter Praxis in der Hochschullehre“ (Winteler, 2004) ab. Dem Ziel, die Lehre zu verbessern, kommt der Fragebogen dann am nächsten, wenn die Antworten ein ehrliches Bild des individuellen Lehrverhaltens wiedergeben und daraus Hinweise für die Verbesserung der individuellen Lehre abgeleitet werden.

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1. Ich bitte die Studierenden, sich gegenseitig über ihre Interessen und fachlichen Hintergründe zu informieren.      
2. Ich ermuntere meine Studierende, sich gemeinsam auf Lehrveranstaltungen und Prüfungen vorzubereiten.      
3. Ich ermutige Studierende zu gemeinsamen Projekten.      
4. Ich fordere meine Studierenden auf, ihre Arbeiten gegenseitig kritisch zu evaluieren.      
5. Ich bitte meine Studierenden, sich schwierige Inhalte gegenseitig zu erklären.      
6. Ich ermutige meine Studierende, die Leistungen der anderen zu würdigen.      
7. Ich sage meinen Studierenden, dass sie Grundbegriffe und Prinzipien mit anderen Studierenden diskutieren sollen, die anderer Auffassung sind als sie.      
8. Ich sorge dafür, dass Lerngemeinschaften, Studiengruppen oder Projektteams in meinen Veranstaltungen eingerichtet werden.      
9. Ich ermuntere die Studierenden, sich in der akademischen Gremienarbeit zu engagieren.      
10. Ich lege meine Kriterien/Maßstäbe zu studentischen Leistungen offen.      

(Winteler, 2004)

Der Fragebogen soll Ihnen Hinweise geben, an welchen Stellen es sich lohnt, die eigene Lehre zu entwickeln. Besonders die Punkte, die Sie mit „nie“ oder „selten“ bewerten, könnten hierfür Ansatzpunkte darstellen.