Klassische Arbeitsmaterialien

Skripte helfen Studierenden beim Verstehen der Lehrinhalte und der Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen. Besonders hilfreich sind Skripte, die

… rechtzeitig zur Veranstaltung vorliegen.
… zur Veranstaltung passen.
… nach lernförderlichen Gesichtspunkten erstellt wurden.

Die Frage nach den angebotenen Arbeitsmaterialien leitet sich aus dem Lehr-Lern-Verständnis der Lehrenden ab. So gibt es an den Hochschulen Vorlesungen, in denen die Studierenden mit dem Abschreiben der Tafelbilder beschäftigt werden und somit ihr eigenes Arbeitsmaterial erarbeiten sollen. Dieses Vorgehen wird von Lehrendenden damit gerechtfertigt, dass so eine Visualisierung garantiert sei, die eigene Lehrgeschwindigkeit hilfreicher Weise durch die maximale Schreibgeschwindigkeit an der Tafel gegrenzt und Faktenlernen durch Abschreiben gefördert werden kann.

Das Abschreiben von Tafelbildern ist Ausdruck überkommener Vorstellungen von einem passiven Studierenden, dem Wissen „eingetrichtert“ werden muss und ebenso illusorischer Vorstellungen, dass unter effizient denkenden Studierenden nicht unlängst die Tafelbilder in digitaler Form kursieren würden und somit der Veranstaltungsbesuch eingespart werden kann. Wenn Lernen als ein aktiver, konstruktiver Prozess verstanden wird, wird aus Faktenlernen Zusammenhangerschließung, aus Abschreibübungen Anwendungsübungen und aus Tafelbildern bereitgestellte Arbeitsmaterialen.

Hinweise:

Flankieren Sie Ihre Lehrveranstaltungen mit lernfördernden Ideen und Maßnahmen und weisen Sie die Studierenden mehrfach darauf hin. Ihre Teilnehmer müssen wissen, was den Besuch Ihrer Lehrveranstaltung unterstützt und warum sie sich damit beschäftigen sollen.

  1. Stellen Sie Lernhilfen wie Skript und Literaturangaben zur Verfügung.
  2. Stehen Sie inner- und außerhalb der Veranstaltung bei Fragen zur Verfügung und beantworten Sie diese adäquat.
  3. Unterstützen Sie die Präsenzveranstaltung mit Online-Angeboten (Lernfortschrittstests, Darstellung des Grundlagenwissens, vertiefende Ausführungen).

Ein hilfreiches Skript zeichnet sich aus durch:

  1. Beinhaltung wesentlicher Fakten (Prägnanz)
  2. Passung von Skript und Lehrveranstaltung
  3. Strukturierung der Modulinhalte
  4. Erkennbarkeit der Schwerpunkte (Übersichtlichkeit)
  5. Ausweis von Möglichkeiten zur Vertiefung des Stoffes

Skripte sind für Studierende besonders nützlich, wenn diese rechtzeitig vor Beginn der Lehrveranstaltung verfügbar sind, um während der Veranstaltung individuelle Ergänzungen vornehmen zu können.

Einige Lehrende lassen erkennbare Lücken in ihren Skripten. Damit soll die Anwesenheit in den Veranstaltungen gefördert werden und vielleicht ein gewisser Sammeltrieb ausgenutzt werden (vergleichbar zu einem Stickeralbum). Außerdem erkennen die Dozenten, ob Studierende aufmerksam sind und zu einem sensiblen Zeitpunkt kollektiv zum Stift greifen. Lernschädlich werden Lückenskripte allerdings, wenn durch zu viele Lücken Studierende in ihrem aktiven Lernen (z. B. Mitdenken, Diskutieren) zu stark eingeschränkt werden.

Ein Onlineskript, in verschiedene Schwierigkeitsgrade abgestuft, ermöglicht es den Studierenden, ihren spezifischen Wissensstand zu erweitern. Anfänger, Fortgeschrittene und Examenskandidaten finden ihrem Wissensstand entsprechendes Lernmaterial. Das Onlineskript ist in sich und mit zahlreichen Datenbanken (z. B. Literatur, Archive) verlinkt. Es unterscheidet sich in Inhalt und Darstellung von herkömmlichen Lehrbüchern durch eine stärkere Strukturierung, wobei die technische Umgebung es ermöglicht, nur den für den individuellen Nutzer erforderlichen Stoff sichtbar zu machen (Geyer, 2004).

Ist Ihre Lehrveranstaltung durch einen hohen Grad an Offenheit und Kommunikation geprägt, geht dies in der Regel mit einem situativ angepassten Verlauf der Veranstaltung einher. Vorgefertigte Arbeitsmaterialien können mit diesem Anspruch an Flexibilität meist nicht mithalten.

Eine nachträgliche Fotodokumentation kann sich zur Nachbereitung offener Unterrichtssituationen als hilfreich erweisen. Hierfür fotografieren Sie die relevanten Visualisierungen der Lehrveranstaltung, ergänzen diese gegebenenfalls mit weiteren Informationen und senden die Fotodokumentation den Studierenden per E-Mail zu. Vielleicht können Sie auch die Studierenden um unterstützenden Einsatz deren Smartphones bitten.

Studierende sollen wertvolle Inhalte lernen und sinnvolle Kompetenzen erwerben – innerhalb einer stark begrenzten Zeit. Versuchen Sie daher, den Aufwand der Studierenden für die Literatursuche, die Auseinandersetzung mit redundanten Inhalten und das Lösen organisatorischer Probleme zu verringern (erste Literaturhinweise, eigene Literatur zur Verfügung stellen, Handapparat zusammenstellen). Zur Not schreiben Sie Ihr eigenes Lehrbuch oder lassen ein maximal 500seitiges, aus Kopien bestehendes Sammelwerk aus anderen Literaturstellen in den Handapparat stellen.

Die von Ihnen zur Verfügung gestellten Unterlagen stellen für die Studierenden einen Zugang zum Fachinhalt dar. Dabei sollten die verwendeten Materialien so gestaltet sein, dass sie das Selbstlernen bewusst unterstützen. Einige Materialien, wie z. B. Vorlesungsfolien, eignen sich durchaus gut für die Unterstützung der Kontaktveranstaltung. Unterlagen für ein effektives Selbststudium unterscheiden sich in einigen Merkmalen. Prüfen Sie Ihre Unterlagen anhand einer kurzen Checkliste:

Die Checkliste soll Ihnen Hinweise geben, an welchen Stellen es sich lohnt, die eigene Lehre zu entwickeln. Besonders die Punkte, die Sie mit „trifft nicht zu“ oder „trifft eher nicht zu“ bewerten, könnten hierfür Ansatzpunkte darstellen.

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