Input und Verarbeitung

Stoffvermittlung dominiert die Lehre an Hochschulen. Stoffverarbeitung wird meist dem Selbststudium zugeschrieben. Dabei kann die Kombination von Vermittlung und Verarbeitung in einer Präsenzveranstaltung den didaktischen Charme der Lehre ausmachen.

Steht für Lehrende das kontinuierliche und effektive Lernen der Studierenden im Vordergrund, können die Lehrveranstaltung nicht einzig mit der Vermittlung von Informationen (Input) gefüllt werden. Studierende sollten dann Informationen nicht nur rezeptiv aufnehmen, sondern auch die Gelegenheit erhalten, diese zu verarbeiten. Dafür bieten sich verschiedene Möglichkeiten an.

Hinweise:

Nach einer Phase der Informationsvermittlung von höchstens 20 Minuten schließen Sie eine Phase der Verarbeitung der dargelegten Inhalte an. Dies kann in Form einer Frage- oder Problemstellung erfolgen, als Wissenstest verpackt und in Einzel- oder Gruppenarbeit durchgeführt werden. Überlegen Sie sich im Vorfeld, welches Ziel Sie damit verfolgen:

  • Verstehen der präsentierten Inhalte und Erkennen von Zusammenhängen
  • Anwenden des Wissens
  • Verbinden der Inhalte mit Vorwissen und Erfahrungen
  • Erkennen einer persönlichen Bedeutsamkeit in dem Lerngegenstand

Die Phase der Verarbeitung kann in 5 bis 20 Minuten abgeschlossen sein. Wichtig ist eine anschließende Zusammenfassung oder Besprechung der Ergebnisse.

Wenn wir davon ausgehen, dass Strukturierung für den Wissenserwerb wichtig ist, muss neben der Vermittlung von Wissen auch Zeit zur Strukturierung des Wissens eingeräumt werden. Planen Sie in Ihren Veranstaltungen bewusst Zeiten für die folgenden Punkte ein.

  • Blicken Sie am Anfang einer Veranstaltung auf die Inhalte der letzten Veranstaltung zurück.
  • Geben Sie zu Beginn eines neuen Themas einen Ausblick (Vorstrukturierung).
  • Erklären Sie zwischendurch (aber nicht zu oft), wo Sie sich mit dem gegenwärtigen Thema im Veranstaltungs- oder Themenplan des Kurses befinden.
  • Fassen Sie am Ende einer Stunde oder eines Themas dieses kurz zusammen.

Typischerweise neigen Hochschullehrer unter Zeitdruck eher zur Kürzung der Strukturierungszeit als zur Kürzung der Vermittlungszeit. Planen Sie daher entsprechende Puffer- und Orientierungszeit ein, um pünktlich beginnen und enden zu können.

Dass Lernenden Zeiten zum Nachdenken eingeräumt werden muss, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dennoch werden Wartezeiten im „Eifer des Gefechts“ von Lehrenden nur selten eingesetzt. Dabei ist die Maßnahme so einfach wie wirksam. Meta-Analysen weisen sogar eine außerordentlich starke Wirksamkeit nach. In Ranglisten finden Sie „Wartezeit“ unter den effektstärksten Bedingungen für studentisches Lernen wieder.

Setzen Sie Wartezeiten bewusst ein und ertragen Sie die Ruhe. Die Wartezeit kann bei komplexen Fragen oder bei der Präsentation schwieriger Zusammenhänge bis zu 30 Sekunden betragen (Winteler & Forster, 2007).

Die Konzentrationsleistung sinkt nach 20 Minuten beträchtlich. Einer Vorlesung 90 Minuten aufmerksam zu folgen, ist eine ebenso unmenschliche Forderung, wie von Hochschullehrern zu verlangen, ihre Vorlesungen derart zu gestalten, dass Studierende 90 Minuten konzentriert zuhören. Erholungspausen, in denen die Studierenden nicht den Raum verlassen, jedoch eine geistige Ablenkung erfahren, können das Lernen der Studierenden unterstützen. Alternative Unterbrechungen, welche sich die Studierenden anderweitig suchen (z. B. durch Gespräche mit Kommilitonen; Beschäftigung mit elektronischen Geräten), stören hingehen eher die Lehrveranstaltung. Die Pausenzeit können von Dozenten beispielsweise zum Wischen der Tafel, Sortieren der Unterlagen oder zum Trinken (alkoholfreier Getränke) genutzt werden. Kündigen Sie die Erholungspausen an und begründen Sie eventuell deren Durchführung.

Vielleicht betreiben Sie bereits „Outsourcing“ und lagern Inhalte der Lehrveranstaltung in das Selbststudium der Studierenden aus. Bei der Methode des „Umgedrehten Unterrichts“ oder „flipped classroom“ (Vorlesung verkehrt, aber richtig) erfolgt der Input eigenverantwortlich durch die Studierenden selbst. Ihrer Präsenzveranstaltung wäre damit der Ort der Interaktion oder der kollektiven Verarbeitung der Inhalte: Fragen stellen, Beispiele diskutieren, Probleme lösen.