Erfahrungsberichte Praktikum

Auslandspraktikum in Pamplona bei Volkswagen Navarra S.A.

von Stefan Bretschneider

Nachdem ich mein Auslandssemester an der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria beendet und 3 Wochen zu Hause in Deutschland verbracht hatte, machte ich mich auf den Weg in den Norden Spaniens  nach Navarra, genauer in die Stadt Pamplona, um dort mein 6-monatiges Praktikum zu absolvieren. Bereits im letzten Monat des Auslandssemesters hatte ich mich bei verschiedenen Unternehmen beworben oder erst einmal vorsichtig angefragt, ob ein Praktikum überhaupt möglich wäre.

Da ich mich generell sehr für Fußball interessiere und ich die spanische Primera División für die beste Liga halte, fragte ich auch bei den 3 großen Fußballclubs in Spanien Real Madrid, FC Barcelona sowie Atlético Madrid an, von denen ich aber leider gar keine Antwort erhielt bzw. mir mitgeteilt wurde, dass sie keine Erfahrung mit Praktika dieser Art hätten und so setzte ich meine Suche fort. Letztendlich wurde ich bei einem großen deutschen Konzern fündig, der seine Autos weltweit produziert und vertreibt – die Volkswagen AG. In Pamplona, bei Volkswagen Navarra fabriziert der Konzern die Polo-Modelle, aktuell den VW Polo GP, eine Facelift-Variante des Polo 5.

An meinem ersten Tag im Unternehmen gab es gleich eine große Versammlung der gesamten Qualitätsabteilung, um die angestrebten Ziele des neuen Modells Polo 5 GP zu präsentieren. Danach wurde ich dem Team von Planificación y Análisis de Calidad, einem Team von ca. 20 Personen,  vorgestellt.  In  diesem sollte  ich  nun für die nächsten 27 Wochen arbeiten. Das Team setzt sich mit Problemen und Reklamationen im Feld, also beim Kunden, auseinander. Das heißt, dass alle in den Werkstätten ausgebauten Schadensteile nach Pamplona geschickt und von den Mitarbeitern untersucht und analysiert werden. Weitere Aufgaben sind die Verbesserung der Arbeitsprozesse, die Abwicklung von Marktneueinführungen und die Realisierung von Meinungsumfragen.

Während meiner Zeit als Praktikant bei Volkswagen Navarra musste ich mich mit verschiedenen Qualitätsgremien auseinandersetzen. Bei einem dieser Gremien, dem Q-Tag, agierte ich in Treffen, die im 2-Wochen- Rhythmus mit Hilfe von Videokonferenzen abgehalten wurden, als Protokollant. Als großes Projekt sollte ich während der Praktikumszeit das Konzernproblemmanagement (KPM),  das  innerhalb  des  gesamten Konzerns verwendet wird, untersuchen. Außerdem befasste ich mich mit Qualitätsanforderungen für das neue Polo-Modell, das ab 2017 produziert werden soll. Zu meinen alltäglichen Aufgaben gehörten natürlich auch Übersetzungen, egal ob schriftlich, z.B. Präsentationen und Emails für meinen Chef oder mündlich zur Unterstützung meiner Kollegen innerhalb der gesamten Qualitätsabteilung, direkt an der Montagelinie bei Gesprächen zwischen Arbeitern und deutschen Kollegen aus Wolfsburg oder aber zum Beispiel in einem Workshop, in dem ich als Dolmetscher agieren musste.

Die Tätigkeiten während des Praktikums waren sehr vielseitig und ich konnte sehr viel Neues dazu lernen. Die Zusammenarbeit im Team hat mir sehr gut gefallen und abgesehen von der Arbeit haben wir auch andere gemeinsame Aktivitäten unternommen. So lud uns zum Beispiel einmal unser Teamchef zum Mittagessen in eine “Sidrería“, eine ganz traditionelle und für die Gegend um Navarra und das Baskenland sehr typische Gaststätte, in der Cidre hergestellt wird, ein. Ein anderes Mal nahm ich mit Mitarbeitern der Qualitätsabteilung an einer “Cata  de  Cerveza“  – einer Bierverkostung mit passenden Gerichten – teil.

An einem Wochenende feierte das Werk ein Jubiläum des Polos, zu dem eine Art Kochwettbewerb veranstaltet wurde, bei dem jedes Team eine Paella oder einen Eintopf anrichten musste. Die fertigen Gerichte wurden dann von den Teilnehmern und Gästen gegessen. Dabei habe ich auch mitbekommen, dass es innerhalb des Unternehmens – auch wenn es sehr groß ist – trotzdem sehr familiär zu geht.

Gewohnt habe ich während des Studiums in einer WG zusammen mit 3 Spaniern/Spanierinnen. Wir unternahmen Strandausflüge, kochten gemeinsam oder erkundeten Navarra und das Baskenland etwas genauer.  Das große Highlight während meines Aufenthalts neben dem Weltmeistertitel war “San Fermín“, welches zu den 3 größten Festen weltweit gehört. Die Atmosphäre, das Feiern, die vielen Leute, die einheitliche Kleidung… einfach das ganze Fest mit den Stierrennen – den “Encierros“ – haben mich wirklich fasziniert und ich bin froh, dass ich das erleben konnte.

Die 6 Monate in Pamplona waren für mich eine wunderschöne Zeit, in der ich einen großen Fortschritt in meinen Spanischsprachkenntnissen erlangen konnte. Noch glücklicher und dankbarer machen mich aber all die Begegnungen und Bekanntschaften mit so vielen netten Menschen, die ich während dieser Zeit kennenlernen durfte!

¡Viva Pamplona, Gora Pamplona!